Stuttgart, 09. November 2017. Im Rahmen des Digital Commerce Day B2B Spezials haben Alexander Graf (Kassenzone.de) erstmals die B2B Digital Commerce Awards vergeben. Damit wollen wir die besten Digitalansätze und ihre Umsetzer würdigen. Als Kategorien für 2017 haben wir uns „B2B Digital“, „Business Model“ und „Amazon“ ausgesucht. Die Jury besteht aus Alexander Graf und mir, Unternehmen können sich nicht für einen Preis bewerben und wir vergeben ihn auch nicht, um die letzten Plätze beim DCD mit den Preisträgern zu füllen. Die Vergabe erfolgt also einigermaßen subjektiv.

Kategorie B2B Digital

In der Kategorie „B2B Digital“ wollen wir das Lebenswerk „so far“ eines Unternehmens würdigen. Die Kategorie bezieht sich umfassend auf mehrere Elemente des Digital Commerce und des Digitalisierungsgrades in einem Unternehmen. Außerdem spielen mutige Entscheidungen eine nicht unbedeutende Rolle in der Bestimmung des Preisträgers.

Sieger der Kategorie B2B Digital
Kärcher: Sieger der Kategorie B2B Digital

In diesem Jahr durften wir den B2B Digital Award an Kärcher überreichen. Im Artikel „Kärcher: Sauber digital!“ habe ich Anfang des Jahres schon einige Aspekte aufgeführt, warum ich glaube, dass Kärcher ein Unternehmen ist, dass ohne viel Lärm die Digitale Transformation ganz gut auf die Kette bekommt. Besonders spannend finde ich dabei, dass Kärcher als schwäbisches Traditionsunternehmen, die in der Regel in IT-Fragen noch viel konservativer als die Konservativsten sind, seine gesamte Infrastruktur mittlerweile auf Amazon Web Services umgezogen hat bzw. neue Anwendungen nur noch auf dieser Cloudlösung betreibt. Kärcher ist mittlerweile so selbstbewusst, dass man in Stuttgart die digitale Transformationsberatung „ZOI“ gegründet hat und nun versucht, anderen die Digitale Transformation nahezubringen. Im Vertrieb hat Kärcher auch einige schlaue Dinge getan, die den B2B Digital Award rechtfertigen. Über die eigene Website werden schon längere Zeit die Produkte direkt verkauft, zwar zum UVP, was sicher nicht für Rekordumsätze über diesen Kanal führt, aber immerhin.

„Kärcher ist sehr mutig in den Onlinestrategien. Das spiegelt sich z.B. im Aufbau eigener technischer Kompetenz für Onlineanwendungen. Wann immer wir ein Vorbild für andere B2B Hersteller suchen, dann nennen wir Kärcher.“

Laudator Alexander Graf (Kassenzone.de)

Das Produktportfolio auf Amazon ist ebenfalls gut durchoptimiert, Kärcher stellt in fast allen bespielten Kategorien die Bestseller. Trotz Standordnachteil (Winnenden) baut Kärcher zudem sein Digitalteam weiter aus. Und auch wenn das Contorion-Investment sicher kürzer gedauert hat, als sich das Unternehmen erhofft hat, es wird nicht das letzte gewesen sein. Das Gesamtkonzept Kärchers hat in der Vergangenheit sicher einigen Mut zur Umsetzung benötigt, diesen Mut wollten wir belohnen. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass Jan Stadelmann und Rosanna Bienzle den Preis stellvertretend für das gesamte Kärcher Digitalteam entgegennehmen konnten. Daher: Herzlichen Glückwunsch zum Preis für das Lebenswerk „so far“.

Freute sich über den Preis für Kärchers digitales Lebenswerk "so far": Jan Stadelmann, Kärcher. (Foto: Phillip Eggers)
Freute sich über den Preis für Kärchers digitales Lebenswerk „so far“: Jan Stadelmann, Kärcher. (Foto: Phillip Eggers)

Kategorie Business Model

Die Kategorie Business Model ist dafür gedacht, ein Unternehmen für sein digitales Geschäftsmodell auszuzeichnen. Dazu gehört natürlich auch eine gewisse Portion Mut, aber eben auch die Umsetzung und letztendlich der Erfolg. Außerdem spielt eine nicht unbedeutende Rolle, welchen Einfluss das Geschäftsmodell auf den Gesamtmarkt hat, in dem es sich befindet.

Sieger in der Kategorie Business Model
Sieger in der Kategorie Business Model

Über Contorion ist viel gesprochen worden in diesem Jahr. Alexander und ich waren daran natürlich nicht ganz unbeteiligt. Weder Alex noch ich machen einen Hehl daraus, dass wir dem Contorion-Fanboyism verfallen sind. Contorion war das Thema, das seit Ende Juni viele Gespräche über B2B E-Commerce im MRO-Markt dominiert hat. Für uns ist es dank seiner konsequenten Umsetzung, der Zentrierung von Tech und Data als Unternehmenskern, der Unternehmenskultur und seines Einflusses auf den Markt das Geschäftsmodell des Jahres. Die Diskussion, die die Übernahme durch Hoffmann entfacht hat, ist die Kirsche auf der Sahnehaube. Etablierte B2B Handelsunternehmen sind gut beraten, sich etwas an den Vorgehens- und Denkweisen Contorions zu orientieren, um in der digitalen Welt eine Chance auf Erfolg zu haben. Hersteller und Marken sind gut beraten, so eng wie möglich mit Geschäftsmodellen wie Contorion zu kooperieren. Die öfter gestellte Frage, ob Amazon das Geschäft nicht langfristig platt macht, beschäftigt mich dabei weniger. Ich bin mir sicher, dass Unternehmen wie Contorion sich eine nachhaltige Position im Markt aufbauen können. Vorausgesetzt, der Investor hat einen einigermaßen langen Atem.

„Contorion hat die Diskussion im B2B E-Commerce-Markt 2017 auf ein neues Niveau gehoben. Das Team ist nicht nur sehr sympathisch, sondern auch fleißig und technisch 1a.“

Laudator Alexander Graf (Kassenzone.de)

Frank Haberstock, Geschäftsleiter Vertrieb bei Perschmann, einem Unternehmen der Hoffmann Group, nahm den Preis stellvertretend für das gesamte Contorion-Team in Empfang. In seinem kurzen Dank kam sehr gut rüber, dass Contorion in der Hoffmann Group mit offenen Armen empfangen wurde und der gegenseitige Austausch schon jetzt fruchtet.

Frank Haberstock (Perschmann) nahm den Preis für Contorion entgegen. (Foto: Phillip Eggers)
Frank Haberstock (Perschmann) nahm den Preis für Contorion entgegen. (Foto: Phillip Eggers)

Kategorie Amazon

In der Kategorie Amazon würdigen wir die Unternehmen, die sich nicht davor scheuen, die sich ergebenden Chancen aus der Veränderung der Handelslandschaft aktiv zu nutzen. Es gibt keine vernünftige Digitalstrategie ohne Amazonstrategie. Schon garnicht für Hersteller und Marken. Vor Furcht oder Ehrfurcht vor Amazon zu erstarren ist schlecht, versuchen, in den Fahrersitz zu kommen ist gut.

Sieger der Kategorie Amazon

Bosch Power Tools hat sich den Preis für die Kategorie Amazon redlich verdient. Ich habe in meiner Zeit bei der Hahn+Kolb Werkzeuge GmbH den Weg von Bosch Power Tools im Onlinehandel verfolgt. Ganz am Anfang war eher noch „Online verhindern“ das Credo, mittlerweile ist es wohl eher „Feuer frei“. In Rekordgeschwindigkeit hat Bosch erkannt, dass es keine Möglichkeit ist, das Internet auf sein Geschäftsmodell anzupassen, sondern dass ein Unternehmen wie Bosch dahin gehen muss, wo die Kunden sind. Die größte Sorge, dass der Fachhandel verliert, ist anscheinend auch nicht aufgegangen. Aus mehreren, voneinander unabhängigen Quellen habe ich vernommen, dass Bosch auch in traditionellen Vertriebszweigen Wachstum erzeugen kann. Ein strategisches Offensivspektakel, das die Jungs aus Leinfelden-Echterdingen da abziehen. Bosch Power Tools baut so seine Position als Marktführer konsequent aus und spielt nicht, um möglichst gering zu verlieren, sondern um möglichst hoch zu gewinnen.

„Bosch hat sehr früh erkannt, dass Amazon ein wichtiger Absatzkanal wird und ein dedizierten Teams für die Produktoptimierung auf Marktplätzen aufgebaut. Außerdem haben sie geile Produkte!“

Laudator Alexander Graf (Kassenzone.de)

Diese Strategie scheint sich auszuzahlen. Bosch ist selbst im aus Elektrowerkzeugsicht „Zubehörbereich“ (z.B. Trennscheiben) oft das einzige etablierte Unternehmen, das mit neuen Plattformplayern und Marken mithalten kann. Das geht, da Bosch konsequent Ressourcen und Kompetenzen für Amazon aufgebaut hat und die Plattform zentral managed.

Phil Layer, Key Account Manager E-Commerce bei Bosch nahm den Preis mit "über die Straße" ins Bosch Power Tools Headquarter. (Foto: Phillip Eggers)
Phil Layer, Key Account Manager E-Commerce bei Bosch nahm den Preis mit „über die Straße“ ins Bosch Power Tools Headquarter. (Foto: Phillip Eggers)

Phil Layer, Key Account Manager E-Commerce  bei Bosch Power Tools, nahm den Preis entgegen. Die (in B2B-Terms einigermaßen) schnelle Reaktion auf den Markt und wohl viele kontroverse interne Diskussionen haben dazu geführt, dass Bosch heute auf Amazon die Fahne deutscher Traditionsmarken hochhält. Gut gemacht!