Lake Forest, 08. August 2016: Nachdem Grainger vor wenigen Wochen mit seinen Quartals- und Halbjahreszahlen beeindruckte (Grainger Inc: globaler Herausforderer von Amazon Business & Co.), folgte zum Wochenbeginn die nächste Meldung, die den eingeschlagenen Kurs, hart am Wind der Digitalisierung zu segeln, untermauert.

D.G. Macpherson folgt auf Ryan

Zum 01. Oktober diesen Jahres wird D.G. Macpherson die Geschicke als CEO von Jim Ryan übernehmen. Ryan, insgesamt 36 Jahre bei Grainger, hat in seiner achtjährigen Amtszeit von 2008 bis voraussichtlich Oktober 2016 nicht nur den Umsatz von 5,9 Mrd. US-Dollar auf über 10 Mrd. US-Dollar gesteigert. Er war es auch, der mit massiven Investitionen in die IT und E-Commerce diese Bereiche zu den Kern-Erfolgsfaktoren von Grainger machte. Unter seiner Ägide schaffte Grainger es, über 50% seines Umsatzes über E-Commerce zu generieren.

Stanford-Absolvent Macpherson, bis dato COO von W.W. Grainger Inc., war seit seinem Einstieg 2008 einer der Haupttreiber des konsequenten Wandels in ein E-Commerce-fokussiertes Multichannelunternehmen. Während Ryan als der Initiator des Wandels gesehen werden kann, ist der stark prozessorientierte Macpherson somit der ideale Nachfolger, um die Transformation weiterzutreiben. Macpherson war zudem einer der Hauptverantwortlichen, der 2011 mit Zoro einen digitalen Pure Player als direkten Wettbewerber zum Kerngeschäft in den USA etablierte.

CEO-Nachfolge unterstreicht Graingers digitale Ambitionen

Während in der offiziellen Pressemitteilung Graingers vor allem der scheidende CEO Jim Ryan mit Lob und Lorbeeren überdeckt wird, möchte ich an der Stelle lieber eine Prognose wagen, wie der „Change of Command“ die Entwicklung Graingers zukünftig beeinflussen wird. Dass Grainger durch den Launch von Amazon Business in den USA 2015 (Amazon Business in Deutschland: was lange währt wird endlich gut?) starke Konkurrenz bekommen hat, spielt bei der Auswahl der Personalie Macpherson sicherlich auch eine Rolle.

„Grainger is a company with an extraordinary history and an incredibly bright future, and it is my privilege to guide our 23,000 team members worldwide in support of our purpose of helping professionals keep their operations running and their people safe, while creating a company where dedicated, talented people can thrive, …I’m humbled to take on this role and am incredibly grateful to Jim and the board for their mentorship and support in preparing me for this responsibility.“

Aus den generischen Statements Macphersons in der Pressemitteilung ist leider nichts überraschendes herauszulesen. Sein Hintergrund hat jedoch sehr stark mit Prozessoptimierung zu tun. Nicht nur in seiner Funktion als Partner und VP bei der Boston Consulting Group, von der er einst nach sechs Jahren zu seinem Kunden Grainger wechselte, sondern auch als Verantwortlicher für die Supply Chain und die Restrukturierung des US-amerikanischen Geschäfts. Diese Prozessorientierung wird Grainger auch zukünftig brauchen. Mit Amazon Business baut sich gerade ein mächtiger Wettbewerber auf, dessen Stärke vor allem darin liegt, Prozesse schnell, effizient und dabei noch kundenfreundlich zu gestalten. Ein Spagat, der den wenigsten Unternehmen gelingt, schon garnicht im B2B.

Fliegender Wechsel bei vollgetanktem Fahrzeug

Grainger ist seither ein Unternehmen, dem dieser Spagat gut gelungen ist. Trotz Strukturwandel hat das Unternehmen erfolgreich seine Ambitionen als digitaler Platzhirsch des US-amerikanischen MRO-Marktes unterstreichen. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass dies für Amazon Business eine nicht ganz so leicht zu knackende Nuss sein wird. Außer Fastenal, ein Unternehmen das mittlerweile gefühlt sein Hauptgeschäft mit dem Aufstellen von Automaten erzielt, hat Macpherson bei Grainger keinen ernsthaften Wettbewerber aus der eigenen Branche zu fürchten. Somit kann er sich voll und ganz auf den Wettbewerb mit der digitalen Dampfwalze aus Seattle einstellen.

Macpherson übernimmt im Oktober von Ryan ein digital exzellent aufgestelltes Unternehmen. Obwohl er offensichtlich als COO schon sehr viel Einfluss auf die Strategie des Unternehmens genommen hat, werden seine Fähigkeiten Grainger beim fliegenden Wechsel helfen, weiter auf Kurs zu bleiben und um die schnellsten Rundenzeiten mitzufahren, während Wettbewerber aus der Branche permanent überrundet werden, ohne es zu merken. Nicht nur in den USA.