Mitten in München-Schwabing auf der Leopoldstraße sitzt eines der spannendsten PropTech bzw. ConstructionTech Start-ups Deutschlands. Andreas Böhm ist CEO von magicplan (www.magic-plan.com), jedoch nicht der Gründer. Als Gesellschafter der B&O-Gruppe, einem der größten technischen Dienstleister für Wohngebäude in Deutschland mit ca. 400 Millionen Euro Umsatz, hat er magicplan vor zweieinhalb Jahren übernommen. Als Generalunternehmer betreut B&O mit ca. 2.200 Mitarbeitern an 35 Standorten Neubauten, führt größere Sanierungsprojekte durch und kümmert sich um den technischen Service, also kleinere Reparaturen an Wohnungen etc.

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Faule Bauleiter = clevere Bauleiter

Der Hauptgrund für die B&O-Gruppe, magicplan zu übernehmen, war damals jedoch nicht, ein cooles Start-up aus den Staaten zu übernehmen, um die Digitalisierung voranzutreiben. Für Andreas ergab sich ein ganz praktischer Grund. Als frisch eingestiegener Bauleiter im eigenen Unternehmen in Berlin bestand ein Teil seiner Arbeit darin, auf Baustellen zu fahren und Steckdosen zu zählen. Die Ineffizienz dieser Tätigkeit brachte Andreas auf die Idee, den Raum fotografisch festzuhalten, um so nicht mehr von Hand auf der Baustelle Steckdosen zählen zu müssen. Die ersten eigenen Tests mit GoPro-Kameras waren wenig verheißungsvoll. Im Herbst 2013 bekam Andreas von einem Vermieter den Hinweis auf Magicplan.

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Die Basisfunktion der kostenlosen App (erhältlich im AppStore und Google Play Store) war damals schon die selbe wie heute: Räume erfassen, daraus Grundrisse erstellen und Notizen und Fotos hinterlegen. Der erste Schritt zu einer volldigitalen Baustellendokumentation. Bis vor ca. einem Jahr basierte die Grundrisserstellung auf einem biometrischen Modell, aus den Mobile-Device-Sensorendaten wurden die Grundrisse errechnet. Dank neuer Technologien von Apple und Google sind Mobile Devices jedoch mittlerweile schon weiter und um einiges präziser. Die Anwendung ist für den User jedoch gleichgeblieben: Mit einem Smartphone oder Tablet werden aus der Raummitte heraus die Ecken des Raumes erfasst, heraus kommt ein vermessener und gezeichneter Grundriss, wie aus einem Bauplan. Dieses Video erklärt das in zwei Minuten ganz gut:

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Die Grundrisse will magicplan immer präziser machen. Im nächsten Schritt wird künstliche Intelligenz im Hintergrund helfen, über Bilderkennung Türen, Fenster, Steckdosen und Schalter zu erfassen. Augmented Reality vermisst den Raum und die künstliche Intelligenz sorgt für eine semantische Klassifizierung dessen, was sich im Raum befindet. Als Ergebnis spuckt das System dann einen 2D- oder 3D-Grundriss aus. Der Grundriss kann als PDF-, JPEG-, SVG- oder DXF-Datei exportiert werden, er wird so für CAD-Programme gleichermaßen verwendbar wie für Immobilienmakler.

Prozesseffizienz im Handwerk

Die Steckdosen musste Andreas damals deshalb zählen, da er ihre Anzahl für die Kalkulation und Angebotserstellung benötigte. Der Grundriss dient noch heute als Angebotsbasis, nicht nur bei der B&O-Gruppe, sondern generell im Handwerk. Jeder Handwerker hat heute ein Smartphone. Gerade in kleinen und kleinsten Handwerksbetrieben, die in Deutschland nach wie vor das Bild prägen, ist das Smartphone mittlerweile fast das wichtigste Element der IT-Infrastruktur. Andreas ist überzeugt, dass jeder dieser Handwerker magicplan als Tool gut einsetzen kann. Kostenvoranschläge und Angebote direkt auf der Baustelle innerhalb weniger Minuten zu erstellen, können ein Qualitätsmerkmal des Handwerkers werden. Andreas und sein Team glauben stark daran, dass das Handwerk große Bereitschaft hat, ein derartiges Tool zu nutzen. Als Testfeld bietet sich seit 2014 die B&O-Gruppe, täglich in eigenen Projekten mit ihren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Es bleibt jedoch für mich die Frage, ob in Zeiten der handwerklichen Hochkonjunktur, deren Ende glücklicherweise nicht absehbar ist, Prozesseffizienz als Verkaufsargument im Handwerk überhaupt zieht. Andreas sieht das gelassen. Sowohl B&O, als auch jeden anderen Handwerksbetrieb, beschäftigt, dass er heute kaum noch Nachwuchskräfte findet. Aus Personalmangel auf Dauer immer potenziellen Auftraggebern absagen zu müssen macht keinem Spaß. Ineffizient arbeiten, da ist sich Andreas ebenfalls sicher, empfindet keiner als angenehm. Weder Handwerksmeister, noch die Mitarbeiter. Kein Handwerker sitzt gerne bis spät abends am Schreibtisch, um Abrechnungen zu machen oder Angebote zu schreiben. Somit rückt Effizienz automatisch stärker in den Fokus

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Van People, Hochkonjunktur & Digitalisierung: Wie entwickelt sich das Handwerk?

Neben der Hochkonjunktur auf der Sonnenseite gibt es im Handwerk auch viele Schattenseiten. Die Probleme bei der Betriebsnachfolge und die entsprechende Konsolidierung von kleinen Betrieben hin zu größeren gehören z.B. dazu. In diesem stark fragmentierten und sich konsolidierenden Markt treten zudem neue digitale Herausforderer wie Thermondo ein, mit ca. 200 festangestellten Heizungsmonteuren mittlerweile der größte SHK-Betrieb in Deutschland. Der Handwerksbereich der B&O-Gruppe zielt auf die Konsolidierung fragmentierter Tätigkeiten für größere Projekte ab und ist in 15 Jahren von drei auf über siebenhundert Mitarbeiter angewachsen. Sowohl Thermondo als auch die B&O-Gruppe könnten diese Geschäftsmodelle nicht skalieren, ohne digitale Prozessinnovationen und digital getriebene Effizienzsteigerungen voranzutreiben. Andreas ist sicher: Diese Geschichte schreibt sich fort. Weitläufige Bereiche der tatsächlichen handwerklichen Tätigkeiten lassen sich hingegen nicht so ohne weiteres digitalisieren oder automatisieren. Alles, was außen herum geschieht, die Arbeitsvorbereitung, Administration, Abrechnung etc. jedoch sehr wohl.

Blickt man über den Tellerrand hinaus und schaut sich die Situation im Handwerk in anderen Ländern an, trifft man auf andere Ausgangssituationen. Während in Deutschland oft noch Meisterzwang herrscht, sind die Märkte in Frankreich, den USA oder dem Vereinigten Königreich ganz anders gestrickt. Auf der Insel besteht heute kein Meisterzwang, genaugenommen auch keine Gewerbeaufgliederung wie in Deutschland. Dort arbeiten viele Einzelarbeiter auf Tages- oder Stundenbasis, die zu Projekten hinzugezogen werden. In den USA läuft es ähnlich ab, der Markt dort ist genaugenommen noch fragmentierter. Auch hier gibt es also noch großes Potenzial für Konsolidierung der Angebotsseite. In den Medien haben diese modernen Tagelöhner bereits einen Namen bekommen: Vanmen. Männer, die aus ihrem weißen Kastenwagen heraus arbeiten.

Der Blick zurück nach Deutschland zeigt: Mittlerweile gibt es auch hierzulande 250.000 bis 300.000 dieser Generalisten (Quelle: Klaus Peter Teipel, welt.de), die das Angebot an Handwerksleistungen von unten her auffüllen. „Die schuften noch wirklich,“ beschreibt Andreas die Arbeitsweise der „Van People“. Den ganzen Tag alleine im Auto, verantwortlich für Vertrieb, Projektvorbereitung, Materialplanung etc. magicplan sieht in ihnen eine spannende Zielgruppe, der mit der App das Leben erleichtert werden kann. In diesem Kontext scheint logisch, dass es im Funktionsumfang nicht bei der Grundrisserstellung bleiben wird, sondern die Angebotserstellung bis hin zur direkten Bestellfunktion das Ziel Magicplans ist. Somit ist die App keine Anwendung, die nur bei großen Unternehmen funktioniert, sondern auch für Einzelkämpfer. Der kleinste Nenner ist ein Projekt.

Die immer tiefere Integration in die Wertschöpfung der Handwerker, die im vorherigen Absatz schon durchscheint, ist nicht nur gut für den Anwender, sondern auch überlebenswichtig für Magicplan. Sich selbst erstellende Angebote, automatisch befüllte Warenkörbe, all das scheint bei magicplan nicht mehr weit weg zu sein. Als Andreas auf die kanadischen Gründer von magicplan zugegangen ist, war dies auch sein Pitch. Die Grundfunktion würde sich technisch schnell überholen, das war bereits früh klar. Gedanklich starten die Macher hinter dem digitalen Werkzeug heute bei der Leadakquise, der gesamte Wertschöpfungsprozess im Handwerk wird End-to-End gedacht. Die Vision, die Andreas hat, beinhaltet Just-in-time-Lieferungen der benötigten Materialien zum Bauprojekt, einen Handwerker, der nur noch zur Montage auf die Baustelle muss, und eine Rechnung, die sich nach digitalem Projektabschluss selbst generiert.

Die Realität im Handwerk sieht heute noch anders aus. Will man z.B. ein Bad renovieren, benötigt man mindestens drei Gewerke: Sanitär, Elektro und Fließen. Unter den aktuellen Bedingungen Angebote eingehen, vergehen in der Regel Wochen, bis die Angebote eintreffen, nochmals Wochen, bis die Baustellen abgeschlossen sind. Die Koordination kostet Bauherren Nerven und Kraft. Hinzu kommen schwankende Preise von 50% bis 150% Unterschied zwischen Angeboten unterschiedlicher Betriebe für dieselbe Arbeit. Die Angebotssituation im Handwerk ist sehr intransparent. Handwerker, die hier frühzeitig auf Transparenz setzen, haben zukünftig einen Wettbewerbsvorteil. Bei mündigen und besser informierten Kunden kann eine Anwendung wie magicplan helfen, hochwertigere Diskussionen mit dem Kunden führen zu können.

“Ich bin nicht zwingend aus einer strategischen Ausrichtung auf Commerce gekommen, sondern weil ich mir gedacht habe, Steckdosen zählen ist nicht sehr effizient. Es scheint, als ob wir da eine ganz gute Welle erwischt haben” Andreas Böhm, CEO Magicplan

Der Baustoff-E-Commerce der Zukunft kommt ohne Online Shop aus

Auch für Hersteller und Händler aller möglichen Bauprodukte ist magicplan interessant, da es als Schnittstelle zwischen mehreren Produkten dienen kann. Die Produkte für die Verlegung eines neuen Fußbodens (Ausgleichsmasse, Trittschalldämmung, Fußbodenbelag, Fußleiste, Übertrittschiene etc.) stehen in Online Shops oft in verschiedenen Warenkategorien ohne jeden logischen Bezug zueinander, im besten Fall leisten sich Shop-Betreiber redaktionell erstellte Anwendungswelten. Die Schritte der Planung und Bestellung sind jedoch voneinander entkoppelt. Über eine App wie magicplan könnten diese Schritte integriert werden, der Warenkorb einfach zum entsprechenden Lieferanten geroutet werden. Wie das z.B. mit Amazon aussehen kann, zeigt dieses Video von Magicplan:

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Das Hersteller schon Lunte gerochen haben, hat Andreas auf der Global DIY Konferenz im letzten Jahr nach seinem Vortrag erfahren. Unmittelbar danach bildeten sich Schlangen an Herstellern, die am Stand von magicplan nach Möglichkeiten gefragt haben, dort hineinzukommen. Für Hersteller verschiebt sich durch magicplan eine Herausforderung, die schon bekannt ist. Stehen sie heute nicht in der Ausschreibungsunterlage als Referenz, kommen sie auch oft bei der Ausführung nicht zum Zug.

Digitalisierung im Mittelstand: Magicplans Rolle in der Transformation von B&O

In der B&O-Gruppe selbst hat magicplan ebenfalls zur Erhöhung des Digitalisierungsgrades und der größeren Akzeptanz digitaler Technologien gesorgt. 2013 erfolgte der erste Kontakt mit Magicplan, 2014 hatte Andreas das Tool an sich einfach mal eingeführt, 2015 dann gepitcht im Gesellschafterkreis die Akquisition gepitcht. Damals hatten die B&O-Kolleginnen und -Kollegen bereits 2.400 Grundrisse mit der App erstellt. Andreas beschreibt das heute als einen „natürlichen Prozess“, mit dem er Akzeptanz geschaffen hat, ganz ohne Digitalisierungsposaunen und wehende Fahnen. Fertig ist man mit dem Thema Digitalisierung bei B&O jedoch lange nicht, der Teufel steckt im Detail und längst sind noch nicht alle Widerstände überwunden.

Zwar ist sich Andreas seiner „Senderrolle“ in dem Thema Digitalisierung innerhalb der B&O-Gruppe bewusst, doch in einem ist er sich sicher: magicplan dient B&O heute vor allem als Zugpferd der Digitalisierung, ist aber bei Weitem nicht das Einzige, was getan wird.

Am 24. Oktober ist Andreas als Speaker auf dem Digital Commerce Day B2B Spezial in Böblingen zu Gast (Tickets hier). Kaum ein anderer Speaker und kaum ein anderes Unternehmen passen besser zum diesjährigen Motto von „Innovate or Die“. Andreas wird in seiner Keynote auf die sich verändernde Customer Journey im B2B-E-Commerce, vor allem im Baustoffsegement, eingehen. Zudem freut er sich auf eine der Hauptcharakteristiken des Digital Commerce Day B2B Spezials: Das Networking. Andreas freut sich auf den Dialog, die Entdeckung gemeinsamer Themen mit Händlern und Herstellern sowie neue Impulse für Magicplan. Schließlich ist er vor ein paar Jahren nicht mit dem E-Commerce-Fokus an magicplan herangetreten, er hatte einfach keine Lust mehr, Steckdosen zu zählen.

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P.S.: Andreas erreicht man übrigens über LinkedIn: Andreas Böhm, CEO Sensopia (Magicplan)